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Allradmonster Muttis

Kennt ihr das? Wenn man sich durch den Verkehr kämpft, in der Hoffnung, den Termin doch noch irgendwie zu schaffen? Gut, ich bin ein Mensch, mit einem chaotischen Zeitmanagement. Trotz doppelter Kalenderführung und Alarmfunktion auf dem Handy. Ich liebe es romantisch in Kalender zu kritzeln. Auf Papier, mit einem Stift. Analog! Um dann zu vergessen, die Termine in mein Handy zu übertragen, wo mich zumindest ein Pop-up, am Tag zuvor, an meine bevorstehenden Aufgaben erinnert. 

Aber irgendwie schaffe ich es dann doch immer, zumindest mit dem Gongschlag durch die Tür. Aber warum sind die alle da? Warum verstopfen Millionen von Autos täglich unsere Straßen? Ich wette, die Hälfte müsste gar nicht unterwegs sein, könnte irgendwo mitfahren, laufen, radfahren, für die wenigen Meter den Bus nehmen oder ganz einfach anrufen und sich von einem anderen das Gewünschte mitbringen lassen. Aber wir haben das verlernt. Das was früher ganz selbstverständlich war. Sich zu helfen, zu unterstützen, Aufgaben zu teilen. 

Ich sehe Frauen mit Kopftüchern, alleine, in fetten SUVs. Sie sind auf dem Weg zur Schule und hintern ihnen im Verkehr eine Reihe anderer Muttis. Alle mit dem einen Ziel, die Kinder abzuholen. Alleine das, wirft bei mir schon eine Reihe an Fragen auf. Zum Beispiel die, seit wann Kinder nicht mehr selbstständig in die Schule finden. Wir wurden eingeteilt in Sprengel und das garantierte, dass man selten weiter als 800m laufen musste. Zu viel, für die heutige Jugend. Im Sommer fuhren wir Rad, im Winter wurde gelaufen. Meist bis zur nächsten Kreuzung, da traf man dann eh die Anderen und ab da, gings im Pulk weiter, wir wurden immer mehr. Alleine war man nie! Wie auch, wenn rund 800 andere Schüler den gleichen Weg hatten. Wer von weiter her, von den Käffern kam, nahm den Bus. Mamas Shuttleservice kannten wir nicht, und wäre irgendein Mamahansel zur Schule gefahren worden, hätten wir ihn vermutlich damit aufgezogen. Die Weicheinummer kam gleich nach Pullunder und Cordhosen. Dafür konnte man auch mal problemlos auf dem Schulhof verhauen werden. 

Was ist das für ein Trend, dass heute Helikopter-Eltern, ihre Jungtiere im eigens dafür angeschafften, über motorisierten Monstertruck abholen, anstatt ihnen die Aufgabe zu übertragen, den Schulweg eigenständig zu meistern? Trauen sie dem eigenen Kind nicht zu, nach Hause zu finden, weil es mehr auf das Handy schaut, als auf seinen Weg? Oder kommen die Kinder von heute einfach nicht mehr heim, weil ihnen schlichtweg die Erziehung fehlt? Gut, wir waren früher auch auf dem Bolzplatz, aber da hab ich seit Jahren keine Kids mehr gesehen. Zu uncool, kein W-Lan und voll fett real, mit Regen und Wind, geht ja gar nicht, Alter!

Aber mal ernst: Wenn Mama schon die eigenen Sprößling abholt, warum dann nicht auch den Rest der Kinder aus der Straße? Groß genug wäre der Wagen doch? 

Brauchen wir für 800 Schüler wirklich 500 SUV Muttis? Brauchen wir ein Wettrüsten vor unseren Schulen? Höher, dicker, teurer? Konkurrenz statt Gemeinschaft, Neid statt Zusammenhalt, Angebertum und Stolz statt Mitgefühl?

 

Wir schauen auf Amerika und belächeln Donald Trump, der garantiert am richtigen Ort das Falsche tut, ein Mann der an Peinlichkeit kaum zu übertreffen ist und der jeden Tag auf's Neue beweist, dass man vieles mit Geld kaufen kann, außer Anstand, Charakter und Würde.

 

Wenn ich heute so auf unsere Straße schaue, wie sich Menschen benehmen, hupen, fuchteln, ausbremsen, überholen und mit immer fetteren Autos versuchen den Anderen auszustechen, dann zweifel ich daran, dass wir uns vorwärts bewegen. Ganz im Gegenteil, wir machen Rückschritte und werden bald wieder als Neandertaler um das Feuer sitzen wo wir uns dann streiten können, wer die größere Höhle hat.

 

Umparken im Kopf: Haltet zusammen, verabredet Euch, teil Aufgaben auf und unterstützt Euch! Und das Wichtigste: Habt Euch lieb.